Chronik von Biesenrode

die Chronik von Biesenrode und Bilder der Kirche

Bilder von der Kirche St. Bartholomäus

Auszüge aus der Chronik

Vorwort

Erfahren Sie Interessantes und Wissenswertes über die Entstehung des Ortes, die Edelen von Biesenrode, den Ritterhof, die Geschichte der Kirche und das Leben des in Biesenrode geborenen Malers Magnus Zeller (1888-1972).

Im Auftrag des ehemals amtierenden Bürgermeisters, Herrn Volkmar Bürger, wurde eine Materialsammlung vorgenommen und zu dieser Chronik verarbeitet.

Wesentliche Anteile zur Erstellung dieses Werkes hatte der damalige ortsansässige Lehrer Krause, welcher als Ortschronist Aufschlüsselung von Tatsachen und Fakten der Geschehnisse bis in das Jahr 1963 gab.

Über die einzelnen Quellen aus alten Akten und Büchern ist im Quellenverzeichnis nachzulesen, aber außerdem sollten auch die Quellen benannt werden, welche auch allein durch ihre Person Auskunft zu den Geschehnissen geben konnten. So z.B. waren dem Lehrer Krause Herr Albrecht Worch sen., Herr Herbert Müller (Feuerwehr), Frau Lucie Worch (Konsum), das Gemeindebüro u.a. behilflich.

1995 wurde dann vom Bürgermeister der Auftrag erteilt, die Chronik weiterzuführen und in eigens dafür vorgesehene Bücher zu schreiben. Diese Arbeit wurde von ABM – Kräften durchgeführt.

Hier wurde an Hand der vorhandenen Aufzeichnungen und neu dazugekommenen Erkenntnissen Material gesammelt und zu der heute existierenden Fassung zusammengestellt.

Ebenfalls waren wieder einige Personen sehr hilfreich und sollten deshalb nicht unerwähnt bleiben. So wären hier die Familie Ilse und Paul Oemler sowie Frau Hella Worch zu erwähnen. Des weiteren war Herr Klaus Wiebelitz aus Halle behilflich mit Informationen zur Wippertalbahn in Biesenrode und Frau Helga Helm, Tochter des in Biesenrode geborenen Magnus Zeller u.a.

Vieles konnte durch alte Überlieferungen nur ungefähr angegeben werden und einiges aus der Geschichte Biesenrodes ist nicht belegbar.

Der Text aller Urkunden usw. wurde ins Hochdeutsche übertragen, nur manchmal wurde die altertümliche Schreibweise beibehalten. Es handelt sich dort also nicht um Rechtschreibfehler.

Wir hoffen in unseren Darlegungen so objektiv wie möglich gewesen zu sein und haben versucht eine möglichst lückenlose Folge zu schreiben.

Der Chronist

Die vollständige Fassung der Chronik mit Quellenangaben können Sie am Ende der Seite im PDF-Format herunterladen.

 

 

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Namentliche Benennung des Ortes Biesenrode

Der erste Nachweis einer urkundlichen Erwähnung des Ortes Biesenrode geht in das Jahr 1144 zurück. Darin ist zu lesen:

1144 März 22. Bischof Rudolf von Halberstadt bestätigt den Verkauf von 2 Hufen und 3 Worten Landes zu Ditfurt an das Kloster St. Johann bei Halberstadt (unter den Zeugen ist Adalbertus de Biseroth)

Die Bestätigung ist auf der Ablichtung der Urkunde im Bildteil auf der Zeile 11/12 zu erkennen.

Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1326 besagt:

1326 März 2. Die Gebrüder von Hakeborn bewidmen des Kloster Haselendorf mit einer halben Hufe Landes zu Zornitz (unter den Zeugen ist Gunterus, Pfarrer in Besenrode)

Ebenfalls im Bildteil zu lesen Zeile 8/9: plebanus in Besenrode.

Wie schon hier zu erkennen ist, wurde der Ort sehr unterschiedlich geschrieben bis endlich ein feststehender Ortsname geprägt wurde.

Die bekannten Schreibweisen sind in zeitlicher Reihenfolge:

1144 Biseroth

1168 Bisenrode

1194 Biesenrodt

1326 Besenrode

1533 Besenrod

1560 Wiesenrode (nach Chronist Spangenberg)

1570 Wiesenroda

ca. 1600 Biesenrothe

1602 Biesenroda

1780 Biesenrodt

1788 Biesenrode bis zur heutigen Zeit

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Die Edlen von Biesenrode

Die Edlen von Biesenrode stammten aus einer Zweiglinie der Edlen von Arnstein ab. Die Herren von Arnstein sind ein aus Schwaben stammendes Geschlecht. An der Spitze dieses Geschlechtes stand im Jahre 1107 eine Witwe Judith von Arnstein mit ihren Söhnen Adelbero, Werner, Adelbert, Walter und Arno. Von Adelbero stammen die Edelherren von Biesenrode, von Amersleben und die Burggrafen von Giebichenstein; von Adelbert die Grafen von Wernigerode; von Walter die Edlen von Arnstein, die sich auch später die Grafen von Arnstein nannten. Im Jahre 1334 starb das Grafengeschlecht Arnstein aus und wurde von Graf Albert von Regenstein übernommen.

In der Urkunde von 1144 war Adalbertus de Beseroth genannt. Dieses Adelsgeschlecht hatte wahrscheinlich auf der Altenburg zu Biesenrode gelebt. Die Edelherren von Biesenrode bewohnten also diese Burg. Ihre kleine Herrschaft umfaßte nur die nächste Umgebung von Biesenrode nördlich der Wipper.

Im Jahre 1196 stirbt mit dem Arnsteiner Geschlecht auch das Geschlecht der Edlen von Biesenrode aus.

Die Burg wurde 306 NN auf nach Westen vorspringender Bergnase über dem linken, nördlichen Ufer der Wipper 1,5 km westlich von Biesenrode erbaut. Sie soll eine einfache mittelalterliche Burg gewesen sein. Die annähernd ovale Hauptburg wurde allseitig von einer Terrasse oder einem Graben mit vorgelegten Wall geschützt. Sie ist teilweise durch einen Steinbruch zerstört. Der durch Wall und Gräben geschützten Hauptburg schließen sich im Osten zwei Vorburgen an, denen ebenfalls Gräben vorgelagert sind. Die Anlage macht den Eindruck, als ob hier zwei aufeinanderfolgende Burgen nebeneinander gebaut worden sind. 1843 sollen noch Mauerreste vorhanden gewesen sein. Das Gebiet um die Altenburg steht seit Mai 1964 unter Denkmalschutz. Um die archäologische Substanz vor Metallsondengängern zu schützen, wurden Nägel ausgestreut.

Ein anderes Adelsgeschlecht in Biesenrode waren die Grellen. Die Grellen führten eine Eberkopf in ihrem Wappen.

1361 lebte ein Kuntz Grelle.

1450 lebte Clemen Grelle. Er hatte zwei Söhne, Sixtum und Clemen.

1467 haben diese beiden Brüder das halbe Dorf „Wiesenrode“ vom Grafen Günthern dem V. in Lehen genommen.

1482 Sonnabend nach Letare ist Clemen Grelle, den man den Alten genannt, zu Wiesenrode verschieden, den ein Bär zerrissen, welchem er zuvor eine große Schmarre über den Kopf gehauen, wie man über etliche Jahre, als man diesen Bären auf der Rabenkuppe über Mansfelt gefangen, noch gesehen.“

1491 Clemen und Balthasar Grelle. Dieser Balthasar Grelle hat einen freyen Hof zu Wiesenrode erkauft von Jakob Haken, dazu die Wüstung Heyndorf gehörig. Hat zween Söhne gehabt, Clemen und Hansen.“

1508 ist Grav Albrecht von Mansfelt mit Balthasaren Grelle in einem Streit gestanden wegen der Schenke und Obermühlen zu Wiesenrode, dessen sich Grelle gegen viel umbewohnende Fürsten und Herrn beklagt, durch welcher Unterhandlung es endlich zur Tagleistung kommen. Und hat Grav Albrecht Grelle ein Manngericht setzen lassen, darinnen Andreas von Watzdorf, Graven Albrechts Anwalt, und Hans von Wertern, Ritter des ehrbaren Mannesgerichts Richter gewesen.“

1534 auch einer, Balthasar Grellen geheißen, welcher den halben Geschoß im Dorfe Wiesenrode gehabt.“

1554 haben die armen Leute zu Wiesenrode in der Rammelburgischen Belagerung alle ihr Viehe verloren. Alleine Grelle hat seins behalten, denn er etliches Kriegsvolk vom Hansen ihm zu Schutz in sein Haus genommen.

In dem selben Jahre hat man unter dem Bischoves Holze an der Junckern zu Wiesenrode Teiche in einem Heuhaufen einen toten Menschen gefunden, so allbereit zu verwesen angefangen.“

1559 sind viele Leute im Heupt irre worden. Und neben anderen auch Juncker Clemen Grelle, daß man mit ihme zu thune bekommen.“

1560 ist zwischen Grevenstul (Gräfenstuhl) und Wiesenrode ein armer Mensch tot funden worden Auch im selben Jahr einer in Wiesenrode erstochen.“

1564 ist den 29. Septembris umb sechse gegen Abend eine gar warme Luft als aus einer Badestube gangen. Darauf ein greulicher großer Sturmwind gefolget, welcher hin und wieder, sonderlich auf dem Hartz an Gebeuden großen Schaden gethan und auch das Pfarrhaus zu Wiesenrode eingeworfen.“

1571 im Jenner (Januar) grausame Kälte und großer Schnee. Darumb sich auch allenthalben viel Wölfe sehen lassen. Als nuhe des Müllers zu Wiesenrode Megdlin nach Mansfedt gehen wollen und ein kleines Hündlein mit ihme gelaufen, wird es eines Wolfes gewahr, der ihnen von fernen nachgangen. Weil dann das Hündlin solches gemerkt und derwegen stets unter das Megdlin geflohen, nimpt das Meglin dasselbe unter den Mantel und gehet damit durch die Wipper und ins Dorf Vatterode in ein Haus, sich wiederumb zu wermen, und errettet also sich sampt dem Hündlin. Were aber beynahe darüber erfroren, wo es nicht so nahe zum Dorfe gehabt.“

1574 lagen die Zigeuner heufig zu Wiesenrode mit Bortfeldes Erlaubnis und starb ihr vermeinter König den 6. Januarii. Bekannte für seinem Ende, daß er einer vom Adel aus der Mark gewesen und sich aus der Eltern Gehorsam in der Jugend entzogen und zu diesen diebischen Leuten in ihre Gesellschaft begeben.“

1581 ist Clemen Grelle, der Letzte dieses Geschlechtes, zu Wiesenrode gestorben, und sind die Güter Graven Volrathen zu Mansfelt anheim gefallen, welcher mit denselben Nickeln von der Thanne beliehen, welcher sonst seinen Sitz zu Silede gehabt, darein ihme Bürgschaft halben die Hülfe geschehen war.“

(Originalauszug aus: Mansfelder Blätter 14/1900 aufgeschrieben von Prof. Dr. H. Größler)

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Der Ritterhof zu Biesenrode

Der erste Ritterhof befand sich wahrscheinlich auf der Altenburg. Heute sind nur noch Mauerreste vorhanden, welche nur von erfahrenen Sachverständigen als alte Burganlage erkannt werden können. Später siedelten dann die Edelherren von Biesenrode in den damaligen Ritterhof um und das Geschlecht der Grelle lebte wahrscheinlich seit 1190 dort. Der Ritterhof wurde, nachdem der letzte Grelle verstarb, vom Junker Nickel von der Tanne belehnt. Gebaut wurde der Hof auf einem durch eine Mauer abgestützten Felsvorsprung. Im Jahre 1698 erfolgte der Neubau des Ritterhofes mit einer repräsentativen Hauptfassade am Wohnhaus, auf dessen Türsturz das Baujahr eingeschnitzt war. Der winkelförmige Grundriß und die rundbogigen Kellerzugänge im Sandstein lassen auf den Vorgängerbau schließen. Das Untergeschoß des langgestreckten Wirtschaftsgebäudes, wohl aus der Zeit um 1700, das Obergeschoß möglicherweise später. Reste der monumentalen Toreinfahrt sind erhalten geblieben.

Hofansicht des Rittergut Biesenrode

Nach dem Chronisten Spangenberg hat das Gebäude “ ein ungeheurer Sturmwind über den Haufen geworfen.“ 1711 war wiederum ein Neubau, 1762 ein Anbau errichtet worden. Die genaue Zeit, wann der Ritterhof erbaut wurde, konnte leider nicht ermittelt werden. Der Hof wurde auch mehrfach verkauft und vererbt. Einige Besitzer waren u.a.

von Menger, von Espelwitz, von Börstel, von Letmat, von Hülsen

Anfang des 18. Jahrhunderts kaufte die Schwiegermutter des letzten von Stammer (auf der Rammelburg) den Ritterhof. Er blieb im Rammelburger Besitz bis 1811 und wurde damals für 22.000 Rtlr an den westfälischen Bergwerksoberförster Karl Friedrich Blumenau verkauft. Dieser überließ den Hof 1841 seinem Sohn Julius. 1850 wurden die zwischen Wipper und Klausstraße gelegenen Grundstücke:

119 Morgen Acker, 30 Morgen Wiese, 164 Morgen Holz

einzeln, zum Teil an die Gewerkschaft (Mansfelder Bergbaugesellschaft) veräußert.

Anno 1860 wurde der Ritterhof von der Kirche Biesenrode erworben, einschließlich des Gutsgartens, in einem Wert von 5200 Rtlr. Seit dieser Zeit wurde dieses Gebäude als Pfarrhaus genutzt. Es steht unter Denkmalschutz und ist auch noch relativ gut erhalten. Durch seine Lage auf dem Felsvorsprung , mit seinen hohen Stützmauern und dem langgestreckten Wirtschaftsgebäude, hat das Pfarrhaus eine ortsbildprägende Wirkung.

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Die Kirche ab 1400

Ein weiters historisches Gebäude ist die Kirche. Sie wurde neben dem Pfarrhaus erbaut.

Im Jahre 1400 wird eine Biesenröder Kirche erwähnt, die sehr wahrscheinlich schon im 9. Jahrhundert erbaut wurde. Diese Kirche war dem Heiligen Bartholomäus geweiht. Biesenrode gehörte damals zum Bistum Halberstadt und zwar zum Aschersleber Teil bzw. zum geistlichen Banne Ober -Wiederstedt, während die Nachbarorte zum sogenannten Harzbann rechneten. Der Ort hatte nach Matrikel von 1400 auch die höchsten Prokurationsgebühren zu zahlen. Es war eine Gebühr von 12 Schilling zu entrichten, wobei die meisten Nachbarorte nur 1,5 Schilling zahlen mußten.

Die Denkmalschutzbehörde beschreibt die Kirche so:

„…ehemalige Chorturmkirche mit quadratischen, gotischen, barockisierten Westturm aus Bruchstein mit abgewalmten Spitzhelm. An der Nordwand ist eine Inschrifttafel mit Minuskelschrift und Datum 1424, die sich wahrscheinlich auf diesen Bau beziehen. Das barocke Kirchenschiff ist verputzt, es hat große korbbogige Öffnungen und ein repräsentatives Südportal, welches im Türsturz auf das Jahr 1793 datiert ist. Im Norden ist eine kleine eingeschossige Patronatsloge. Innen ist eine dreiseitig umlaufende Empore, die im Westen doppelstöckig ist.

Von der alten Kirche, wahrscheinlich 1424 erbaut, steht noch der Turm mit Spitzbogen und einer großen Glocke, an welcher außer verschiedenen mansfeldischen und sächsischen Geprägen auf einer Seite das Bild der Maria mit dem Jesuskinde und der anderen das Bild des heiligen Bartholomäus sich befinden.

Am oberen Rand ist eine Inschrift in alten Zügen, die lautet:

laudo deum verum, plebem voco, congrego clerum, defunctos ploro, pestem fugo,

festa decoro – post ter quingentos annos sum fusa decem sex.

(Ich lobe den wahrhaftigen Gott, rufe die Laien, versammle die Priesterschaft, betrauere die Abgeschiedenen, verscheuche die Seuchen und verschönere die Feste. Nach 3 x 500 + 16 Jahren (1516) bin ich gegossen wurden).“

Diese 32 Zentner schwere Glocke wurde von Heinrich Becker aus Halle für Biesenrode gegossen und hatte einen sehr guten Klang. Das Schiff dieser Kirche befand sich westlich vom Turm, nur ein Chor war östlich des Turmes gebaut. An der nördlichen Außenseite des Turmes hat ein Stein die abgekürzte Inschrift mit alten Zügen:

„Inceptum est presens opus sancti Bartholomei anno domini MCCCCXXII.

(Das allerheiligste Werk des heiligen Bartholomäus ist begonnen worden im Jahre des Herrn 1422).

Bis zur Einführung der Reformation in Biesenrode etwa um 1526 waren Piskaborn, Wimmelrode und Gräfenstuhl Filialen der Pfarrei zu Biesenrode.

Das die Einwohner von Gräfenstuhl zum Gottesdienst gingen, darauf deutet sehr wahrscheinlich der Name „Messeweg“ hin.

1570 wird die Kirche in Biesenrode wie folgt beschrieben:

„…ist eine große Kirche, daß viel Volkes hineingehört hat. Sie wird aber so baufällig, daß Gefahr dabei ist, so sie in die Länge stehet und nicht verwahret werden soll.“

Im Jahre 1793 wurde das Schiff neu erbaut. Man setzte es an die andere Seite, so daß der Turm westlich steht. Bei diesem Neubau wurde dem Grundstein ein Blechkästchen beigemauert, das nachstehende Nachricht enthält:

“ Des gegenwärtigen hiesigen Ortes Herrschaft ist Herr Kammerherr Freiherr von Friesen, der Amtmann in Rente Dr. Johann Gottlob Benjamin Pfeil. Das Dorf hat 52 Häuser mit Pfarrei, Schule und Ritterhof. Der Scheffel Korn kostet

1 Rtlr. 5 gr. , die Gerste 1 Rtlr., Weizen 2 Rtlr., Hafer 18 gr., das Maß Bier

5 d und im Brauhaus 4 d.

Das herrschende Laster ist Diebstahl und Falschheit. Die Kirche hat 5000 Rtlr. in Vermögen. Der Prediger kann es auf 300 Rtlr. jährlich und der Schuldiener auf 140 Rtlr. bringen.

Der Maurermeister ist Gebauer aus Molmerswende, der Zimmermann Meister Hohmann aus Greifenhagen und der Tischlermeister Apel.

In Deutschland herrscht Friede; weil aber die Franzosen ihren König Ludwig XVI. den 21 Jan. c.a. getötet haben und dem ganzen deutschen Reiche den Krieg angekündigt, so hat der Kurfürst von Sachsen 6000 Mann als Reichskontigent dazu gegeben.“

Die Baudauer des bereits erwähnten Schiffes der Kirche war von 1793 bis 1795. Der Neubau wurde von dem Generalsuperintendent Dr. Johann Andr. Müller vor mehr als 700 bis 800 Menschen geweiht.

Die 12 heute noch vorhandenen holzgeschnitzten Figuren dieser alten Kirche wurden vor 1793 in einem Schrein aufbewahrt.

1960 bis 1962 wurde die Kirche mit einem Kostenaufwand von 64.000 Mark renoviert.

Im Mai 1992 wurde das Dach von der Firma Höhn neu eingedeckt. Wegen dieser Arbeiten mußte die Wetterfahne und Kugel vom Dach entfernt werden. Beides wurde nach den Originalunterlagen des Schmiedemeisters Hellmut Franke restauriert. Der Schmiedemeister Franke hatte damals beides angefertigt. In der alten Wetterfahne ist auf der einen Seite eingearbeitet: „Anno 1826“ und auf der anderen Seite: „Erneuert 1954“. Nun kam noch das Datum 1992 hinzu. Das Öffnen der Kugel wurde zum Dorfereignis. Alle waren neugierig, was die Kugel enthielt. Zuerst einmal fiel auf, daß die Kugel Streifschüsse aufwies. Es stellte sich heraus, daß dies Jungenstreiche waren. Man hatte mit dem Luftgewehr probiert, ob das Metall durchlöchert wird oder die Kugel davon abprallt.

In einer Hülse aus Kupfer, ausgestattet mit einer Art Kork, das den Inhalt besonders schützen soll, waren die Geschichtsdokumente verstaut. Als erstes kam ein Schriftstück aus dem Jahre 1963 zum Vorschein, Datum ist der 25. August und unterschieben vom Diakon Fischbach, der das Schriftstück „Fortsetzung der Kirchenturmchronik von Biesenrode!“ mit Schreibmaschine aufsetzte und dabei mitteilte, daß es durch eine gesetzliche Vorschrift notwendig wurde, an der Kirche einen Blitzableiter anzubringen.

Auf einem Zettel schrieb jemand folgendes: „Am 24.08.1963 wurde an der hiesigen Kirche ein Blitzableiter angebracht und bei dieser Arbeit die Kugel der Turmspitze herunter genommen. An den Arbeiten waren beteiligt: Richard Bornstin – Ermsleben – Stresemannplatz 18, Dachdecker und Blitzschutzbauer; Hubert Strempeck – Aschersleben, Zimmerer und Blitzschutzbauer; Bernd Maar – Ermsleben – Karl-Marx-Str. 14, Klempner und Blitzschutzbauer. Die Firma die diese Arbeiten durchführte, ist die PGH „Neues Deutschland“ Aschersleben. Geschrieben wurden diese Zeilen am 28.08.1963.“

Weites geschichtliches Material wurde der Hülle entnommen. Ein Schriftstück, aufgesetzt am Freitag, dem 13. 08.1954, unterschrieben von Hermann Rohde, läßt erfahren, aus welcher Sicht er die geschichtliche Zeit von 1954 sieht. Er lehnt sich dabei an ein Dokument vom 13.08.1826 an, das Pastor Johann Gottlieb Schmidt in deutscher Schrift aufgesetzt hat und aus seiner Zeit schreibt.

Inhalt waren auch, ein Dokument aus dem Jahre 1774, Münzen, unter anderem ein 3 – Cent – Stück aus dem Jahre 1810, ein Taler aus dem Jahre 1808 sowie ein Pfennig aus dem Jahre 1808 und Geldstücke aus diesem Jahrhundert.

Nach der Restaurierung der Turmkugel und des Wetterhahnes wurden aktuelle Dokumente hinzugefügt. Dazu gehörten ein 20 – Mark – Stück der DDR, ein Geldsatz von 1 Pfennig bis 5 Deutsche Mark, Schriften mit Darstellungen der historischen Veränderungen der vergangenen Jahre, ein Predigttext und selbstverständlich die Kopien der alten Dokumente. Alles wurde hermetisch in der Kugel verschlossen. Diese Arbeiten kosteten 79.200 DM. Die Landesregierung steuerte aus Mitteln des Dorferneuerungsprogammes 63.200 DM bei.

16.000 DM mußten aus eigener Kraft aufgebracht werden. 1000 DM spendete die Kirchen – Paten – Gemeinde Schaafheim bei Aschaffenburg und bot für den Notfall ein zinsloses Darlehn an. 4152,50 DM kamen durch Sammlungen zusammen. Auch die bauausführenden Firmen halfen. Die Dachdeckerfirma Höhn spendete das komplette Vordach zum Kircheneingang, und die Kunstschmiede – Bauschlosserei Horst Oemler, Vatterode, die Fertigung der Wetterfahne.

Die Kirche war seit der Erbauung der Mittelpunkt des Dorfes und auch des dörflichen Lebens. Die Pastoren spielten bei unseren Vorfahren eine wichtige Rolle. Biesenrode hat stets eine eigene Kirche zu Bartholomäus und einen eigenen Pfarrherrn gehabt.

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Magnus Zeller – bedeutender Maler und Grafiker unseres Jahrhunderts

Magnus, Friedrich, Herbert Zeller wurde in dem kleinen Dörfchen Biesenrode am 09.08.1888 als Sohn des Pfarrers Friedrich Samuel Zeller und seiner Ehefrau Erna, Ellen, geb. Breuning als erstes Kind der Familie geboren.

Familie Zeller hatte 4 Kinder. Zwei haben sich in ihrem Leben und Schaffen der Kunst verschieben. Sein jüngerer Bruder, Wolfgang, Friedrich Zeller (geb. 12.09.1893) auch in Biesenrode geboren, war ein guter Komponist und hat sich in dieser Richtung entfaltet. Er starb 5 Jahre vor seinem Bruder Magnus, 1967 in Berlin – Steglitz. Sein Grad an Berühmtheit reichte aber nicht an die seines Bruders Magnus Zeller heran.

Wie bereits erwähnt wurde Magnus Zeller in Biesenrode geboren und verbrachte hier einen Teil seiner Kindheit und beginnenden Jugendzeit.

Durch die Ausübung des Pfarramtes durch seinen Vater war die Familie gezwungen des öfteren den Wohnort zu wechseln. So wurde die Familie Zeller 1901, durch die Versetzung des Vaters, nach Magdeburg abberufen. Zu dieser Zeit war Magnus Zeller ca. 13 Jahre alt und hatte daher auch schon schöne Erinnerungen an seine Kinderzeit und Heimat in seinem Gedächtnis gespeichert, welche ihm in seinen späteren künstlerischen Schaffensjahren auch zu einigen Bildern inspirierte.

1906 wurde der Vater erneut versetzt nach Berlin Zehlendorf. Hier beendete Magnus Zeller die Schule (Abitur) und unternahm erste autodidaktische Malversuche. Sein Vater verstarb früh und somit zog seine Mutter die Kinder durch Mitarbeit in der inneren Mission auf. Hierdurch wurde in dem künftigen Maler das soziale Bewußtsein geweckt.

Traditionell wurde jeweils der älteste Sohn der Pfarrersfamilie Theologe. Da Magnus Zeller der älteste Sohn der Familie war, sollte auch er, wie all seine Vorfahren diese Richtung einschlagen.

1908 setzte er gegen den Willen der Familie seinen Wunsch Maler zu werden durch und studierte bis 1911 bei Lovis Corinth in Berlin gemeinsam mit seinem Freund Klaus Richter. Sie machten sie ersten Erfahrungen mit dem Impressionismus. Eindrücke, Empfindungen und Sinneswahrnehmungen wurden in ersten Skizzen festgehalten und verfeinert. Zusammen mit seinem Freund richtet er sich in Berlin ein Atelier ein. Die Verbindung zu seinem Lehrer Lovis Corinth blieb erhalten und der Expressionismus wurde entdeckt. Die idealistische Kunstform ließ Zeller die Daseinsfülle der Malerei erleben. Realistische und ideelle Betrachtungen wurden zu einem Ganzen miteinander verbunden und trafen Zellers Wesen. Es erfolgten erste Ausstellungsbeteiligungen.

Zusammen mit seinem Freund wollte der Künstler nicht eingeengt und auf ein bestimmtes Gebiet bezogene Eindrücke darstellen, sondern die Erfahrungen des Lebens sammeln. Daher zogen beide, nachdem sich Zeller als Maler 1912 auf eigene Füße gestellt hatte, nach Paris.

1913 wurde er dann in Berlin – Wilmersdorf ansässig nach seiner Rückkehr aus Paris. Hier lernte er seine erste Frau Marie kennen, welche Fotografin werden wollte. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Berliner Sezession . 1914 begann der 1. Weltkrieg und auch Magnus Zeller diente treu seinem deutschen Vaterland. Da zu dieser Zeit aber auch schon ein Intelektuellenhaß existierte wurde er als Armierungssoldat zu den Schippern beim Stellungsbau einberufen und begann ein sogenanntes Schlammwühlerdasein. Später wurde er dann Mitarbeiter der Presseabteilung im Oberkommando Ost in Kowno und Wilna. Im Herbst 1915 heiratet er Marie Zimmermann und die Kriegswirren tobten weiterhin im Lande.

Als Ordonnanz der Presseabteilung lernte er unter anderem Arnold Zweig, Herbert Eulenberg, Erich Büttner u.v.a. kennen. Heimlich, meist bei Nacht, ist Zeller am Werk. Er zeichnet Lithographien und schuf zu Gedichten von Arnold Zweig 12 solcher Steinzeichnungen.

1918 näherte sich das Ende des 1. Weltkrieges und der Künstler wurde zum Armee-Oberkommando 8 nach Dorpat versetzt. Im gleichen Jahr kam er dann auch zur obersten Herrleitung nach Berlin. Er wurde Mitglied des Soldatenrates. Im gleichen Jahr wird ihm seine Tochter Susann geboren.

In den meisten Werken des Malers werden Menschen und Tiere dargestellt, welche die jeweilige Lebenssituation wiederspiegelte, vermischt durch Realität und Traum.

Im Jahre 1919/20 mußte Zeller Zuflucht in der Heimatstadt seiner Frau (Blomber) suchen, da die Novemberrevolution niedergeschlagen wurde. Hier baute er sich auch eine Wohnung aus.

Die sich entwickelnde Inflation machte allen Menschen zu schaffen. Die Sorge darüber die Familie zu ernähren, beim ständigen Verfall des Geldes war groß. Auch Zeller mußte um seine Existenz bangen und Vermögensverlußte hinnehmen. Eine Lehrtätigkeit an der staatl. Kunstschule in Dorpat/Estland erleichterte seine miserable Situation ein wenig.

In der Zeit von 1918 bis 1923 führte seine künstlerische Entwicklung zur Epoche der Grafik.

1926 trat der Künstler erneut eine Reise nach Paris an. Im Sommer dieses Jahres verstarb plötzlich und völlig unerwartet seine Frau Marie an Typhus. Dadurch lösten sich tiefe Depressionen und Apathie bei dem Maler aus.

1929 findet er in einer zweiten Ehe endlich wieder neues Weltvertrauen. Seine zweite Frau, Helga Bagge, aus Hamburg war Gebrauchsgrafikerin. Sie schenkte ihm 1931 ebenfalls eine Tochter, mit dem Namen Helga , Marianne, welche heute den gesamten Nachlaß des Künstlers verwaltet.

Die Zeit von 1933 bis 1945 steht unter dem Schatten des Hitlerregimes. Schon 1933 genießt Zeller die Aufmerksamkeit der Gestapo. Der „Völkische Beobachter“ bezeichnet seine Kunst als „seelisch krank“. Dadurch stieß er auf Schwierigkeiten Ölfarben zu erwerben.

Freunde vermittelten dem Maler einen Aufenthalt in Rom, wo er auch 1935 den Rompreis erhielt. Weltoffene Kontakte verbessern seine materielle Lage, so daß er in Caputh bei Potsdam ein Grundstück erwerben kann und ein Haus darauf errichtet. 1937 wurde er dort ansässig und zwei Jahre später wurde sein Sohn Conrad Magnus geboren.

Sein Freund Klaus Richter, zur Zeit Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler, schützt ihn vor Verfolgungen.

1945 kommt endlich das ersehnte Ende des 2. Weltkrieges, aber auch eine schwere Zeit des Hungers und Elends der Menschen. Der stark ausgebildete Stolz des Malers läßt ihn wieder als Intellektuellen erscheinen, nach Brot zu betteln oder im Garten zu arbeiten liegt unter seiner Würde. Er selbst war sehr anspruchslos, aber die Familie?

Seine Frau wehrte heroisch dem Hunger durch Gartenarbeit und Heranschaffen von Lebensmitteln. Aber ihre Kraft neigte sich langsam dem Ende durch die finsteren Jahre des Krieges. Ihr Sohn wird in der Schweiz von Verwandten aufgenommen, um dem völlig abgemagerten Kinde zu helfen. Am Ende ihrer Kräfte verläßt sie den Maler und lebt fortan bei ihren Verwandten in Hamburg. Der Sohn kehrt nicht zurück aus der Schweiz.

In den Nachriegsjahren bis zu seinem Alter zog es den Maler immer wieder in seine Heimat zurück. So kann man sagen, daß er fast jährlich das Mansfelder Land besuchte und sich häufig in Friesdorf und Wippra aufhielt. Die problemlose Idylle der Landschaft faszinierte ihn immer wieder auf’s Neue. Zu Biesenrode verband ihn besonders die Freundschaft zur Familie Worch. Hier schuf er bereits 1935 ein beeindruckendes Ölbild „Harzbauer“ (Worch). Es gibt auch noch eine Reihe weiterer Bilder, aus denen die Liebe zu seiner Heimat spricht. Er besaß stets einen herzlichen Kontakt zu den Menschen des Mansfelder Landes bis er am

25. Februar 1972 in der Charite´, Berlin verstarb.

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