Harzgeschichten

Geschichten, Sagen und Erzählungen

verschiedene Geschichten aus dem Harz, Harzer Vorland und in "Mansfelder Mundart"

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen verschiedene Erzählungen aus dem Harz und dem Mansfelder Land vorstellen. Zu den Auszügen der einzelnen Geschichten können Sie sich den vollstandigen Inhalt mit den, wenn vorhandenen Quellen, im PDF-Format (PDF-Reader notwendig) herunterladen.

Inhalt:

Wildschütz Gangloff

♦ S' ole Rad



Vom Leben und Sterben des berühmten Wildschützen Johann Gottfried Wilhelm Gangloff

nacherzählt von Friedrich Dietert, Ballenstedt 1929

In den Walddörfern zwischen Selke-, Leine-, und Wippertal ist noch heute das Andenken an den vor rund 90 Jahren erschossenen Wilddieb Gangloff, der 23. Mai 1794 in Hohlstedt gebürtig war und im Leinetal unweit der idyllisch  gelegenen Leinemühle im Forstorte Eulenköpfe am Anhaltinischen Kuhberg sein Ende fand, überraschend lebendig. Im Kurhaus Meves zu Mägdesprung hängt im Gastzimmer sein Bild, wie er einen Rehbock ausweidet, an den abendlichen Biertischen in den Walddörfern, in der Leinemühle, im Gartenhaus erzählen die Alten noch von den Streichen und Guttaten Gangloffs und von seinen Kämpfen mit den Forstbeamten, im Skatspiel gebraucht man bei schlechtem Spiel die Redewendung: Auch mal in Sylda gewesen? Und die Dorfjugend liest sich heiße Köpfe über einem alten vergriffenen Hefte, das in Molmerswende von Hand zu Hand geht und sich im Besitz des Waldwärters Wölfer befindet. Es ist ein Bericht des Revierförsters Wendenburg, der die Jagd auf Gangloff selbst miterlebte und 1881 seine Erinnerungen niederschrieb. Nach 50 Jahren! Aber dieser Bericht ist so urwüchsig und frisch, dass ich diese „forstamtliche“ Erzählung an die Spitze meiner Erkundungen stellen will. Was der Volksmund raunt, was der Wald erzählt und was zeitgenössische Stiche künden, sei einem folgenden Kapitel vorbehalten. Das oben erwähnte Heft ist überschrieben mit: „Einiges aus dem Leben und Treiben des allgemein bekannten und berühmten Wildschützen Gangelhof in den 1820er bis 1840er Jahren.“ Diesen Bericht gebe ich mit ganz geringen orthographischen Änderungen wortgetreu wieder.

Harzgeschichte-Wildschütz Gangloff

zum Inhalt

S' ole Rad

eine Kurzgeschichte in Mansfelder Mundart

In Bissenrode, gleich an Bahnewwerjange wo' s Wipperlieschen drewwerfährt un heite de Familie Dickmeier wohnt, läwete frieher dr ole Hermann Hense. Mor nannten den Schwarzen. Der muß frieher mal schwarze Haare jehat han, ich kannten awer nur met jrauen. Seine Fraue war schon jestorm un er wohnte met dr aheln Brotmann, seiner Haushältern zusamm. Er hatte enne janz klene Landwertschaft met zwei braun Harzer Kühen (janz frieher hann se ähmt Kiewe jesaht). Von dr Landwertschaft hatte jeläwet unn wasse so noch jebraucht hat, hatte sich erjentwo metjenomm. Das war ähmt in Bissenrode so. Met den Kühen isse immer uffn Acker in de Winge, ins Holz odder uff de Wese jefahrn. Jeschlafen hätte dr Schwarze, wie de Oheln erzählt ham, immer uff dr Bodentreppe. Ausjezoren hatte sich da niche. Frieh waren da jleich wedder in Jange. Außer de Kühe hatte dr Schwarze ah noch Schweine, Hinner, Karnickel und andres Viehzeik. Wenne de Karnickel jeschlachtet hatte, wurn de Felle zum trocknen uffjespannt.

In dr Ecke in Schuppen schtannt ah oles Fahrrad. De Kankerspinn hann zwar drinne jehang, awwer immer wennes mal jebraucht, hattes schene jebutzt unn injeehelt. Das war denn wenne mal nach Mansfäld odder Hettstedt musste.

S' ole Rad muß schon dn Kaiser jegannt hann unn noch zwei Weltjrieje metjemacht hann. E Dynnamo war dranne jros wie drei Dassenköppe. Enne Lampe hattes jros wie e Flackscheinwerfer. Awwer s Schehnste war dr Jebäckdräjer. Do hätte mer sicher anterdalleb Zentner Jetreide dranspordieren kenn. S' Rad war schon schdawiel awwer dr Jebäckdräjer erscht recht.

Als sich nu enne Ladunk Karnickelfelle ahnjesammelt hatte, blieb Hermann nischt wieder ewwerich, er musste nach Hettstedt in de Fellannahme, weil inLeimbach jerade keine war. De janze Ladunk Felle uffn Jebäckdräjer un ab jinks de Vattereder Schossee innenunger.

Es war in de sechzjer Jahre in vorjen Jahrhunnert. Ich hatte jerade ausjelernt un mer saßen uffn Baujeriste in Hettstedt an der damaljen Bardeijreisleidunk un friestickten. S' war jerade schehnes Wedder unn so simmer nich in de Baubude jejang. Wie doche Jlicke so spehlt, kimmet doch dr schwarze Hense met sei mächtchen Rade und nr Ladunk Karnickelfelle aus Richdunk Appollokino inneherjefahrn, jenau kurz vor dr Post in de Einbahnstrasse rinn, awwer von dr vorkehrten Seite. Normalerweise hätte de Breite Strasse rinnfahrnmissen bis zu Dritel Mehle , denn da war de Fellannahme. Ungene lank in de Einbahnstrasse war zwar dr kerzere Weg un mei Hermann nahm den. Nu hatte awer dr Deiwel seine Hand in Spehle un von dr andern Seite kam e Polizeiauto , e oler Wartburg. Der stellte sich quer ewer de Strasse un hielt mei Hermann an. So e junker Schnesel stiech aus un wollte dn Schwarzen nu enne Bredicht ewwer Verjgehrsrejeln hahln. Er solle aach finnef Mark Strafe bezahln. Aach wißte wohl nich, was das rote Schild met dän Querballeken bedeidet. Dr Mitzenschärm warn uff de Nase jerutscht. Er konne den aheln Manne nich in die Auren gucken.

"Mei Junge" sahte Herman, "ich fahre seit ewwer verzich Jahre hier lank unn das wäre ich ah heite machen. Jeld hawich ah nich met. Da muß ich erscht de Felle verkahfen!" Schdich uffs Rad unn weg ware zwischen Post und Molkerei durch die Schlippe, da kann dr Bolleziste metn Auto nich durch.

Wir junken Kerrels hatten das alle met ahnjehehrt un a jesehn. Dr Bolleziste jrichte enne rote Berne. Wir gonnten uns s Lachen nich mehr haheln. Da isse in sei Wartburg jeschtiejen un weg ware. Nu musst mer erscht recht lachen. Dr Schwarze hatte den Bollezisten janz scheene ausjetrickst.

Un de Moral von dr Jeschichte- Nimm ole Männer nich so sehre inns Jerichte!

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